Wasser und Fracking: Ein giftiger Teufelskreis

Wasser spielt eine große Rolle beim Thema Gas: Beim Hydraulic Fracturing (Fracking) wird Erdgas, aber auch Erdöl aus tiefen Gesteinsschichten (100 – 1000 m) mittels eines Hochdruck‑Flüssigkeitsgemisches, auch Frack Fluids genannt, hydraulisch aufgebrochen. Das Gemisch erzeugt bzw. erweitert Risse im Gestein, sodass das Gas aufsteigen kann. Konventionelles Fracking wird in Sandsteinen durchgeführt und ist in Deutschland erlaubt, während unkonventionelles Fracking Gas aus Schiefer-, Ton-, Kohle oder Mergelgestein herauspresst. Letzteres ist in Deutschland verboten, da die Gesteinsschichten extrem undurchlässig sind und das Gas sehr viel aufwendiger durch horizontale Bohrungen und chemikalische Prozesse erschlossen werden müsste – das wiederum ist verbunden mit noch mehr teuflichen Schäden an Umwelt, Wasser und Mensch.

Der Teufelskreis

Wasser ist ein essenzieller Bestandteil des Fracking-Prozesses. Zunächst werden Unmengen an Wasser verbraucht: Pro Bohrung werden bis zu 19 000 Kubikmeter sauberes Wasser genutzt. Ein olympisches Schwimmbecken mit 50 Meter Bahnlänge fasst ca. 2 500 m³, dh. pro Bohrung sind es knapp 8 Schwimmbecken voller Wasser. Im Permian Basin in Somi Se’k (Texas)* ist der Wasserverbrauch durch Fracking von 2011 auf 2016 um 770 Prozent angestiegen. Diese riesigen Wassermengen fehlen bei der Trinkwasserversorgung und sind besonders für trockene Regionen ein belastender Stressfaktor.

Das saubere Wasser wird dann mit Chemikalien (Frac-Zusätze) gemixt, um die Gesteinsschichten mit Druck aufzubrechen. Das Gemisch, auch Frack Fluids genannt, ist versetzt mit Arsen, Quecksilber, radioaktive Isotope und anderen Bioziden, die auch aus der Landwirtschaft als Düngemittel bekannt sind. In den USA sind bereits 600 unterschiedliche Chemikalien bekannt geworden, doch das „Geschäftsgeheimnis“ der Gaskonzerne verhindert, dass alle chemischen Beistoffe veröffentlicht werden. Klar ist, dass selbst die bekannten Stoffe krebserregend und giftig sind. Derzeit wird an nachhaltigen Frack Fluids geforscht, zum Beispiel aus modifizierter Stärke und Kaliumkarbonat.

Die Frack Fluids werden dann mit Hochdruck in die tiefen Gesteinsschichten geleitet, um dort Risse zu produzieren und Gas freizusetzen. Die Frack Fluids werden nach der Freisetzung des Gases wieder aus den Gesteinsschichten hochgepumpt als sogenanntes „Flowback“ oder Abwasser, doch 70-90 Prozent des Frack-Fluids-Abwassers verbleibt unterirdisch. In den USA hat dies vor allem zu Erdbeben und „Spilling Geysiren“ geführt, also alten Bohrlöchern aus denen Fontänen von Frack Fluids geschossen sind inklusive von Gas und Öl-Resten. Da die Frack Fluids sich den Weg nach oben gesucht haben und teilweise auch in oberflächennahe Gesteinsschichten gepumpt wurde, liegt eine Verunreinigung des Grundwassers und damit auch der Trinkwasserreserven vor. In den USA hat eine wissenschaftliche Untersuchung ergeben, dass im Wassereinzugsgebiet rund um die Schiefergasförderstätte eine erhöhte Salzkonzentration in Oberflächengewässern vorlag. Dies kann zu Fischsterben (wie in der Oder 2022) führen und ist besonders für Menschen mit Nierenerkrankungen gesundheitsgefährdend, da die Nierenfunktion verschlechtert wird.

Das Texas Produced Water Consortium der Technischen Universität Texas schätzt, dass das Permian Basin in Somi Se’k, wo Gas und Öl gefördert wird, bis zum Jahr 2050 täglich 2,25 Millionen Tonnen Abwasser produzieren wird. Im Abwasser der Frack Fluids entwickeln sich zudem neue chemische Verbindungen, die potentiell hochgiftig und radioaktiv sind. Seit 2020 müssen Frack Fluids nun auch in den USA oberirdisch entsorgt werden, jedoch sind Abdichtungen für oberirdische Abwasser-Basins unüblich. Oft versickert Abwasser so doch in Boden und Grundwasser. Wasser-Recycling von Abwasser wird derzeit über Steueranreiz-Systeme in Texas vorangetrieben, doch unklar ist, wie viel Wasser tatsächlich wiederverwendet werden kann und wie aufwendig der Recycling-Prozess ist. In Deutschland gibt es für konventionelles Fracking ein Multi-Barrieren-System bei der Bohrung um zu verhindern, dass die Frack Fluids bei der Bohrung Trinkwasserreserven oder Grundwasser berühren. Doch selbst die Wissenschaft schließt nicht aus, dass es durch Leckage, also dem Auslaufen von Frack Fluids zu Umwelthavarien und Verschmutzung von Grundwasser und Trinkwasser kommen kann.

Neokoloniale Teufel auf dem Vormarsch

Deutschland importiert Gas derzeit hauptsächlich aus den Niederlanden, Belgien und Norwegen über Pipelines. Doch LNG, also flüssiges Erdgas, wird zu über 80 Prozent aus den USA importiert. Während des dort mit unkonventionellem Fracking, beispielsweise aus Somi Se‘k erschlossen wird, ist dies in Deutschland verboten auf Grund der Gefahren. Dies beschreibt die neokoloniale Kontinuität Deutschlands. Auf Grund der aktuellen politischen Weltlage möchte Deutschland die Importe von LNG diversifizieren und hat bereits Verträge mit Katar zu LNG-Importen verhandelt. Auch durch den Iran-Krieg wendet sich Deutschland und die Europäische Union nun immer mehr der Gasförderung in Westafrika zu. Das deutsche Wirtschaftsministerium wirbt aktuell für langfristige Verträge zur Gasförderung. Auch Konzerne wie Exxon und Chevron wollen ab 2030 Gasförderungen mit Volumen von über 30 Millionen Tonnen Gas pro Jahr (!) fördern.

Zusammenfassung:

Beim Fracking wird mit Hilfe von giftigen Frack-Fluids Gestein in einer Tiefe von 100-1000m aufgebrochen, um Gas freizusetzen. Frack Fluids benötigen große Mengen an Wasser. Dies verbleibt teilweise in den Gesteinsschichten und kann so Grundwasser und Trinkwasser kontaminieren (verseuchen). Das restliche Abwasser wird hochgepumpt und wird in Abwasserbecken gelagert, doch durch Versickerung gelangt das Abwasser zumeist in Grundwasser und Trinkwasser.

*Somi Se’k ist ein indigener Name der Esto’k Gna (auch „Carrizo Comecrudo“) für eine Region, die die meisten nur als „Texas, USA“ kennen.

Quellen [zuletzt aufgerufen am 01.04.2026]:

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/grundwasser/nutzung-belastungen/fracking
https://expkom-fracking-whg.de/lw_resource/datapool/systemfiles/elements/files/BD8E0A0916A314E3E0537E695E86049F/live/document/Studie_Monitoringkonzepte.pdf
https://www.ifo.de/DocDL/ifosd_2012_12_14.pdf
https://www.quarks.de/allgemein/warum-ist-fracking-eigentlich-so-umstritten/
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/fracking-deutschland-100.html
https://linkegeschichte.buzzsprout.com/2322194/episodes/19099959-gkw60-erdgas-aus-gestohlenem-land-in-somi-se-k-texas?t=0
https://www.diw.de/de/diw_01.c.893582.de/publikationen/diw_aktuell/2024_0092/gasversorgung_in_deutschland_stabil__ausbau_von_lng-infrastruktur_nicht_notwendig.html
https://www.telepolis.de/article/Texas-Der-Preis-des-Fracking-Booms-11097581.html
https://www.greenpeace.org/usa/frackings-environmental-impacts-water/
https://insideclimatenews.org/news/31082022/texas-toxic-wastewater-permian-basin/
https://www.bloomberg.com/graphics/2025-permian-basin-geyser/
https://pulitzercenter.org/stories/fracking-makes-texas-oil-and-gas-industry-possible-it-may-also-be-harming-state
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energieversorgung-hoffnung-fuer-europas-gaskrise-lng-aus-afrika/100212800.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/reiche-gasversorgung-deutschland-100.html